Etwas südlich des Flusses Tirso, in der Nähe des Meeres, befindet sich die Stadt Oristano. Umgeben ist sie von fruchtbaren Feldern auf denen überwiegend Getreide angebaut wird. Da sich keine Flughäfen oder Häfen in der unmittelbaren Nähe befinden, erreicht man sie über die Bundesstrasse SS 131.
Oristano wurde im XI. Jahrhundert gegründet und im Jahr 1070 die Hauptstadt des Judikats von Arborea. Sehr vielfältig sind die architektonischen Zeugnisse jener Periode, die sogar bis ins Mittelalter hinein reichen.
Auf der Piazza Roma überlebte ein kleiner Teil der einstigen mittelalterlichen Stadtmauer: der hohe Turm
Torre di San Cristoforo war eines der Stadttore mit Namen Porta Manna. 1291 wurde dieser Turm zusammen mit der Mauer auf Anordnung des Richters Mariano II. gebaut.
Der Bau ist hoch und sehr massiv und besteht aus drei übereinander liegenden Schichten. In der oberen befindet sich ein weiterer, kleinerer Turm mit einer antiken Glocke. Die offene Seite des Turmes ist in Richtung der Stadt gerichtet, während die anderen drei geschlossenen Seiten sich dem Umland zuwenden. Während der Regierungsperiode von Mariano II., im Jahre 1288, wurde das Münster Duomo Santa Maria gebaut. Von seiner Struktur blieb allerdings nur wenig übrig: einige Teile der Apsis, die Basis des Glockenturms und die gotische Kapelle. Die ersten Restaurierungen gehen auf das späte XVI. Jahrhundert zurück, gefolgt von jenen aus dem siebzehnten Jahrhundert. Die vollständige Erneuerung aus dem achtzehnten Jahrhundert belegen die aktuellen Barock Formen. In der Kapelle befinden sich verschiedene antike Bildhauereien und die beiden marmornen Geländer.
In der näheren Umgebung der Piazza Roma kommt man nicht umhin, das Haus der Eleonora D`Arborea zu besuchen. Wahrscheinlich handelte es sich damals um den Sitz der ehemaligen Gendarmerie. An der Fassade kann man die Wappen mit einem Baum sehen, das Familiensymbol der Arboreas`. Das Gebäude steht genau der Straße „Parpaglia“, wo sich auch die älteste, traditionelle Gastwirtschaft der Stadt befindet, in der es den leckeren vernaccia oristanese zu kosten gibt. Folgt man der Prachtstrasse „Corso Umberto“, gelangt man zur Piazza, die Eleonora gewidmet wurde und auf der ihre riesige Statue thront. Gleich daneben steht der Gemeindepalast, das ehemalige Kloster der Scolopi aus dem XVII. Jahrhundert.
Nur wenige Meter entfernt kann man das Münster „Duomo dell`Assunta“ besuchen, ein Gewirr der verschiedensten Baustile, bei denen der barocke aus dem XVIII. Jahrhundert überwiegt. Davor steht die Kirche San Francesco, im 18. Jahrhundert völlig neu rekonstruiert in klassizistischem Stil vom Architekten Gaetano Cima. Innen, auf dem linken, seitlichen Altar befindet sich das berühmte "Kruzifix von Nicodemo", das auf Sardinien wichtigste Relikt spanisch-gotischer Bildhauerei.
Fährt man weiter gen Süden, kommt man zum wichtigsten Museum der Provinz, dem „Antiquarium Arborense“. Dort werden nuraghische Funde, römische und punische Materialien aus den antiken Städten
Tharros und Cornus aufbewahrt.
Weitere interessante Denkmäler befinden sich in der Altstadt: die Kirchen San Domenico, S. Chiara (gotisches Gebäude aus dem Jahr 1345 und kürzlich erst restauriert) und die Chiesa del Carmine. Letztere ist ein Beispiel der barock-
piemontesischen Architektur, geplant vom Architekten Giuseppe Viana zwischen 1766 und 1785. Im ehemaligen Kloster des Carmine gibt es zeitweilig Ausstellungen des lokalen Handwerks, besonders in der Karnevalszeit, wenn das berühmte oristanesische Reiterkarussell, die
Sartiglia, stattfindet. Obwohl Oristano nicht direkt am Meer liegt, besitz die Stadt ihren großen Sandstrand „spiaggia Torre Grande“, der gleich vor der kleinen, gleichnamigen Ortschaft liegt. Hier befindet sich der größte Küsten-Turm Sardiniens, in zylindrischer Form und einem Durchmesser von gut 20 Metern. Filippo II. von Spanien ließ ihn zum Schutz seiner Garnison vor den Einfällen der Sarazenen bauen. Später wurde er als Leuchtturm umfunktioniert und im Jahr 1880 auf 17 Metern Höhe eine Terrasse für den Aufseher gebaut.
In Torre Grande fehlt es natürlich nicht an touristischen Einrichtungen und aufnahmefähigen Strukturen. Es ist ein sehr beliebter Badeort, der im Sommer knapp 20.000 Besucher zählt.