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Caprera

Man schrieb das Jahr 1856, und Italien war noch nicht vereint. Aber der Held der zwei Welten Giuseppe Garibaldi wusste schon, wo er die letzten Jahre seines Daseins verbringen würde: Auf einer kleinen Insel, verloren auf einem ruhigen Meer, bei Sardinien, jedoch nicht auf Sardinien: Die Insel Maddalena. Auf den Routen der Frachtschiffe aus anderen Zeiten, zwischen tausendjährigen Granitfelsen und der Stille in einer beinahe unmenschlichen Einsamkeit. Jene Insel heißt Caprera und ist der letzte bekannte Ort an dem sich der große General aufhielt. Er lies anordnen, dass seine Asche hier in einem Grab aus rohem Granit begraben werden sollte. Übrig geblieben sind sein Haus, seine Boote und seine persönlichen Gegenstände, die mittlerweile als Reliquien in einem Museum aufbewahrt sind, das zu den meistbesuchten der Welt gehört. Es wird erzählt, dass Garibaldi, nur wenige Stunden bevor er starb, am 02. Juni 1882, um 18.20 Uhr (das zeigen ein Kalender und die Wanduhr), darum bat, ein letztes Mal das Meer sehen zu dürfen. Er blickte in die Ferne und atmete ein letztes Mal die salzige Luft ein. Vielleicht dachte er in jenem Moment, dass das Paradies nicht viel anders sein könnte als diese, seine über alles geliebte Insel.
Mehr als ein Jahrhundert ist seitdem verstrichen und aus dem Ort der Fischer und Matrosen wurde ein Kulturzentrum. Jedoch widerstanden die Inseln den Veränderungen der Modernität, und Caprera musste lediglich der unbeugsamen Kraft des Feuers nachgeben. Ein Teil des wunderbaren Pinienwaldes viel den Flammen zum Opfer, aber der ehemalige Wohnsitz Garibaldis` blieb unversehrt. Unwegsam und grob, wie der Charakter ihres letzten berühmten Eigentümers, scheint die Insel Caprera absichtlich geschaffen, um die Meisterwerke der Natur auf Sardinien als eine Art imaginäre Broschüre darzustellen. Jedes Riff, jeder Strandabschnitt, jede einzelne Erhöhung scheint der Teil eines perfekt geplanten, einzigartigen Ganzen zu sein. Die Lichtreflexe des Wassers, die Schattenspiele der Felsen und die farbigen Sonnenuntergänge erscheinen wie in einem Traum. Caprera ist jedoch Wirklichkeit. Eine Wirklichkeit die tapfer von den Einwohnern der Hauptinsel Maddalena und des Archipels verteidigt wird. Gewiss, es ist keine echte Insel mehr. Seit vielen Jahren verbindet sie eine Brücke, von der man ein großartiges Panorama genießt, mit La Maddalena.
Touristischen Anziehungskräfte fehlen natürlich nicht. Fährt man über die Straße, die die kleine Insel von Norden nach Süden durchquert, kann man ungewöhnliche Perspektiven bewundern. Der Besucher kann bis zu den Gipfeln der Berge Monte Teialone und Poggio Stefano hinaufsteigen und den herrlichen Ausblick auf das Archipel genießen. Von den rosafarbenen Granitfelsen bis zu den kleinen, durch die Soldaten im zweiten Weltkrieg abgesteckten Pfade die zu den Ruinen der alten Befestigungen führen, zeichnet sich eine unglaublich tolle Szenerie ab. Man kann natürlich auch über unwegsame Wege zum Meer gelangen. Egal wo man sich befindet, die Wirkung ist dieselbe. Die Bucht Coticcio ist klein und schmal, fast wie ein Fjord. Das Wasser ist sehr flach, Felsen und Sand führen zu einem kleinen Strand, der sich zwischen die Granitfelsen gräbt. Etwas weiter nordwärts befindet sich die wilde Szenerie des Messa del Cervo-Strandes und im Südosten die berühmte Brigantina-Bucht, die Lieblingsziele der Ausflugsboote mit ihren Badegäste in den Sommermonaten. Überall erinnert die Landschaft an die Erzählungen der Matrosen und Fischer, und auch die Namen der einzelnen Plätze erinnern an antike Legenden, Havarien und Geschichten von Seeschlachten, von denen die Reste auf dem sandigen Grund des Archipels verstreut liegen: antike Reliquien, kleine verstreute Schätze inmitten der Meeresvegetation, deren Erforschung ohne große Schwierigkeiten möglich ist.
Der Besuch kann im Süden mit Punta Rossa fortgesetzt werden, die man Dank einer kleinen Straße erreicht. Die Strände der Bucht Cala Portese erreicht man gleich hinter der Ortschaft Stagnali.Von dort aus genießt man das herrliche Panorama auf Porto Palma und die kleine Insel Il Porco, die überragt werden vom Berg Monte Fico. Genau unterhalb des Berges verläuft die Strasse, die zum Segelzentrum des Touring Club Italia führt. Die bekannte Ferienanlage des Club Mediterrané befindet sich jedoch in der Bucht Cala Garibaldi, wo der Held mit seinem Boot anlegte um zu seinem Haus zu gelangen. Weitere herrliche Winkel dieser Insel liegen an der nordwestlichen Küste. Diese sind aber über den Landweg beinahe unzugänglich. Die Buchten Cala Napoletana und Cala Caprarese erreicht man am besten mit einem Boot. Auf diese Weise wird der neugierige Besucher noch viele weitere, kleine und versteckte Buchten zwischen den Felsen, im Schatten der Granitblöcke finden. Es scheint, als ob die Natur sie vor der Neugier des Menschen schützen wolle. Also, wer einen kleinen Winkel im Paradies sucht um einige ruhige Tage nur mit der Natur und dem Meer zu verbringen, hat hier die Qual der Wahl. Caprera bietet eine Vielzahl an Überraschungen, auch außerhalb der warmen Jahreszeiten, denn im Herbst und auch im Winter herrscht auf Sardinien ein mildes und gemäßigtes Klimas. Die Szenerie des Archipels, dessen kostbarste Perle der letzte Wohnsitz Garibaldis ist, schenkt dem Besucher spannende Augenblicke und unvergessliche Bilder.
Die Insel Caprera ist Teil des Archipels Maddalena, am nordöstlichen Zipfel Sardiniens. Eine Brücke verbindet dieses außergewöhnliche Naturschutzgebiet mit seiner größeren Nachbarinsel.
Man erreicht die Insel La Maddalena vom Hafen von Palau aus. Die kleinen Fähren der SAREMAR fährt diese Strecke täglich alle 30 Minuten. Außerdem bestehen auch Verbindungen zwischen Maddalena und Santa Teresa di Gallura. Im Sommer ist die Beförderung von Autos auf die Inseln sehr eingeschränkt, um den intensiven Verkehr zu verringern.


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